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Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Das Wattenmeer zwischen Den Helder in den Niederlanden und dem dänischen Esbjerg ist die größte zusammenhängende Wattlandschaft der Welt und eines der letzten Gebiete in Europa, in der Natur sich noch weitgehend vom Menschen unbeeinflusst entwickeln kann. Damit dies so bleibt, erklärten die deutschen Küstenländer es zum Nationalpark. 1985 das schleswig-holsteinische Wattenmeer, 1986 das niedersächsische und 1990 das hamburgische Wattenmeer. Im Sommer 2009 wurde das Wattenmeer der Niederlande, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins als Weltnaturerbe der UNESCO anerkannt. Hamburg hat 2011 nachgemeldet, Dänemark will in einigen Jahren nachmelden. Unser Nationalpark erhielt damit den „Nobelpreis“ des Naturschutzes, so wie der Grand Canyon in den USA oder das Great Barrier Reef Australiens.

Nationalparks sind Symbole unberührter Natur. Hier darf die Natur sich frei ent-falten, ohne dass der Mensch eingreift. Die Idee dazu stammt aus den USA. Dort wurde 1872 Yellowstone, eine Berglandschaft mit Geysiren und Schwefelquellen, zum ersten Nationalpark der Welt erklärt. In Deutschland gibt es 14 dieser beson-deren Schutzgebiete. „Natur Natur sein lassen“ ist das Ziel aller Nationalparks. Einzigartige Natur soll erhalten werden – nicht nur die Tiere und Pflanzen, sondern die Landschaft in ihrer Gesamtheit, mit Bergen und Seen oder, in unserem Fall, Wattflächen und Prielen, Dünen und Salzwiesen. Auch damit Menschen heute und in Zukunft darüber staunen, darin forschen und sich erholen können.

Ausgezeichnetes Wattenmeer

Das schleswig-holsteinische Wattenmeer ist mehr als ein Nationalpark. Es erfüllt internationale Kriterien mehrerer Schutzgebietskategorien:

  • Biosphärenreservat der Vereinten Nationen (inklusive der Halligen)
  • Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Gebiet der EU (inklusive der Halli-gen)
  • Feuchtgebiet internationaler Bedeutung nach der Ramsar Konvention (inklusive der Halligen)
  • Besonders empfindliches Meeresgebiet der Internationalen Schifffahrtsorganisation
  • Weltnaturerbe der UNESCO

Ein Gesetz fürs Watt

Im Nationalparkgesetz, 1985 vom schleswig-holsteinischen Parlament verabschiedet und 1999 novelliert, sind die Regeln verankert, die im Nationalpark gelten. Der Nationalpark ist in Schutzzonen aufgeteilt: Schutzzone 1 ist weitgehend der Natur überlassen, Schutzzone 2 darf eingeschränkt genutzt werden. Um sowohl der Natur als auch dem Menschen gerecht zu werden, gibt es Ausnahmen und Sonderregelungen für Nationalpark-Nutzer mit Gewohnheitsrechten. So ist die Krabbenfischerei auch in Schutzzone 1 größtenteils erlaubt. Völlig unberührt soll nur das 125 km² große „Nutzungsfreie Gebiet“ zwischen den Inseln Sylt und Föhr bleiben. Westlich von Sylt und Amrum wurde ein Walschutzgebiet eingerichtet, das zur Schutzzone 2 gehört. Mit Fischern, Reedern, Wassersportvereinen und Gemeinden wurden freiwillige Vereinbarungen geschlossen. Krabbenfischer und Sportboote meiden beispielsweise von Juli bis September die Nebenfahrwasser im südlichen Dithmarscher Wattenmeer, weil die Brandgänse in dieser Zeit dort mausern.

Menschen am Nationalpark

305.000 Menschen leben in den Landkreisen Nordfriesland und Dithmarschen, die an den Nationalpark grenzen, 33.000 davon auf den Inseln Sylt, Amrum, Föhr und Pellworm, 300 auf den Halligen. 100 Krabben- und 8 Miesmuschelkutter sind im Nationalpark unterwegs, 42 Landwirte lassen ihre Schafe auf den Salzwiesen weiden. Wichtigstes wirtschaftliches Standbein der Nationalpark-Anwohner ist der Tourismus. Er trägt mit knapp 50 Prozent zum Volkseinkommen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste bei. 2 Millionen Übernachtungsgäste besuchen jährlich den Nationalpark und die Westküste. Die Anzahl der Tagesausflüge pro Jahr liegt bei 16 Millionen. Naturschutzverbände, Nationalpark-Wattführer und -Ranger bieten jährlich über 5.000 Exkursionen und Wattführungen, Schiffstouren mit Seetierfang und ähnliche Veranstaltungen an.

Aufgaben der Nationalparkverwaltung

Die Nationalparkverwaltung in Tönning versteht sich als Dienstleister, der den Schutz der Natur mit den Interessen von Einheimischen und Urlaubern, Landwirten und Seglern, Krabbenfischern, Wattführern, Wissenschaftlern und vielen anderen in Einklang bringt. Sie koordiniert und genehmigt Untersuchungen, Projekte und notwendige Bauvorhaben. Zusammen mit den anderen Wattenmeerländern organisiert sie umfangreiche Umweltbeobachtungsprogramme, in denen beispielsweise Seehunde und Vögel gezählt und biologische Phänomene dokumentiert werden. Mit ihren Rangern und Informationszentren wie dem Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum sowie durch die Medien informiert sie die Öffentlichkeit. Schulen und Lehrkräften bietet sie attraktive Umweltbildungsprogramme.

Die Nationalparkverwaltung ist ein Geschäftsbereich im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, der dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium untersteht. Bei wichtigen Entscheidungen, die den Nationalpark betreffen, lässt sich die Nationalparkverwaltung von den Nationalpark-Kuratorien Nordfriesland und Dithmarschen beraten. Die Nationalparkverwaltung wird von Naturschutzvereinen stark unterstützt. Einige von ihnen hatten sich schon lange vor Einrichtung des Nationalparks intensiv für den Erhalt des Wattenmeeres eingesetzt. Sie betreuen Nationalpark-Gebiete und -Infozentren, unterstützen die Umweltbeobachtung und leiten zahlreiche Exkursionen in den Nationalpark.

Nationalpark-Steckbrief

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist der größte zwischen dem Nordkap und Sizilien. Er beginnt 150 Meter seewärts von Deich und Dünen. Die bewohnten Inseln und Halligen gehören nicht zum Nationalpark-Gebiet.

Nationalparkfläche:
4.410 km² = 441.000 ha, 99,9% Eigentum des Landes Schleswig-Holstein

Schutzzone 1:
1.570 km², davon 125 km² nutzungsfreies Gebiet

Schutzzone 2:
2.840 km², davon 1.240 km² Walschutzgebiet

Gründung:
Nationalparkgesetz von 1985, 1999 novelliert

Leben:
2 ganzjährige Einwohner (Hallig Süderoog), etwa 2.300 Pflanzenarten und 4.200 Tierarten

Höhen und Tiefen:
+8 m (Warft auf Süderoog) bis -27 m südlich von Amrum

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